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| Aufs neue strenge Gefangenschaft |
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Aufs neue strenge Gefangenschaft
Infolge dieser und anderer ähnlicher unbegründeter Anschuldigungen wurden 'Abdu'l-Bahá und Seine Familie, die sich seit mehr als zwanzig Jahren der Freiheit in der Gegend von mehreren Meilen rund um 'Akká erfreut hatten, im Jahre 1901 wieder für die Dauer von mehr als sieben Jahren streng auf den Raum innerhalb der Mauern der Gefängnisstadt beschränkt. Dies hinderte Ihn aber nicht an der wirksamen Verbreitung der Bahá'í-Botschaft über Asien, Europa und Amerika hin. Horace Holley schreibt über diese Zeitspanne (The Modern Social Religion p.171):
»Zu 'Abdu'l-Bahá, dem Lehrer und Freund, kamen viele Männer und Frauen jeder Rasse, Religion und Nation, an Seinem Tisch zu sitzen gleich lieben Gästen, und befragten Ihn über soziale, geistige oder moralische Fragen, die sie am meisten beschäftigten; nach einem Aufenthalt, der zwei Stunden bis zu vielen Monaten dauerte, kehrten sie heim, vom Geist durchdrungen, neubelebt und erleuchtet. Die Welt besaß sicher kein gastfreieres Haus als dieses. Hinter Seinen Türen schmolzen die starren Kastenschranken Indiens, das Rassenvorurteil der Juden, Christen und Muhammadaner verwehte wie eine Erinnerung; und jede Konvention, nur nicht die des warmen Herzens und des strebsamen Geistes, brach zusammen, vergessen und versunken vor der einigenden Liebe des Herrn des Hauses. Es war wie bei König Arthur und seiner Tafelrunde ... aber bei einem Arthur, der sowohl Frauen als Männer zu Rittern schlug, und sie aussandte nicht mit dem Schwert, sondern mit dem Wort.«
Während dieser Jahre bewältigte 'Abdu'l-Bahá einen umfangreichen Briefwechsel mit Gläubigen und Fragestellern in allen Teilen der Welt. Bei diesem Werk wurde Er kräftig unterstützt von Seinen Töchtern und auch von verschiedenen Dolmetschern und Sekretären.
Viel von Seiner Zeit opferte Er dem Besuch von Kranken und Elenden in ihrem Heim; und in den ärmsten Vierteln von 'Akká war keiner willkommener als der »Meister«. Ein Pilger, der 'Akká zu dieser Zeit besuchte, schrieb:
»Es ist die Gewohnheit von 'Abdu'l-Bahá, jede Woche am Freitagmorgen Almosen an die Armen zu verteilen. Von Seinem eigenen knappen Vermögen gibt Er ein wenig allen Bedürftigen, die zu Ihm um Hilfe kommen. Diesen Morgen sind etwa hundert reihenweise aufgestellt, sitzen oder kauern auf dem Boden, auf der offenen Straße vor dem Hof, vor 'Abdu'l-Bahás Haus. Und eine unbeschreibliche Auslese der Menschheit ist es. Allerlei Männer, Frauen und Kinder - arm, geplagt, trostlos anzusehen, nur halb bekleidet, viele von ihnen verkrüppelt und blind, wirkliche Bettler, unsagbar arm, geduldig wartend, bis 'Abdu'l-Bahá aus dem Torweg tritt ... Lebhaft schreitet Er von einem zum andern, da einige Augenblicke anhaltend, um ein Wort des Mitgefühls und der Aufmunterung an jeden zu richten, und läßt Geldmünzen in jede gierig ausgestreckte Hand fallen, streichelt ein Kindergesicht, ergreift die Hand einer alten Frau, die den Saum Seines Gewandes umfaßt hat, als Er vorbeischreitet, spricht Worte des Lichts mit dem alten, erblindeten Mann, fragt nach denen, die zu schwach und elend sind, um die kleine Gabe selbst zu holen, und sendet ihnen ihren Anteil mit der Botschaft der Liebe und der Aufmunterung.« (M. J. M., Glimpses of 'Abdu'l-Bahá, p.13)
'Abdu'l-Bahás persönliche Bedürfnisse waren gering. Er arbeitete von früh bis spät. Zwei einfache Mahlzeiten des Tags genügten Ihm. Sein Kleiderschrank enthielt nur sehr wenige Kleidungsstücke aus billigem Stoff. Er konnte es nicht ertragen, im Überfluß zu leben, während andere Mangel litten. Er hatte große Liebe zu Kindern, Blumen und den Schönheiten der Natur. Jeden Morgen um sechs oder sieben Uhr pflegte sich die Familie zu versammeln, um den Frühstückstee gemeinsam einzunehmen, und während der Meister seinen Tee trank, sangen die kleinen Kinder des Haushalts Gebete. Thornton Chase schreibt von diesen Kindern (In Galilee, p.51):
»Solche Kinder habe ich noch nie gesehen, so höflich, so uneigennützig, so für andere bedacht, so unaufdringlich, klug und rasch bereit zum Verzicht in den kleinen Dingen, wie sie Kinder lieben.«
Der »Blumendienst« war ein Kennzeichen des Lebens in 'Akká, von dem jeder Pilger duftende Andenken mit sich nahm. Mrs. Lukas schreibt (A Brief Account of My Visit to 'Akká, p.26):
»Wenn der Meister den Duft der Blumen einatmet, ist es wundervoll, Ihn anzusehen. Es sieht aus, als ob der Geruch der Hyazinthen Ihm etwas erzähle, solange Er Sein Angesicht in die Blumen vergräbt. Es gleicht dem Bemühen des Ohrs, eine herrliche Harmonie von Tönen zu vernehmen - mit gesammelter Hingabe.«
Er liebte es, herrliche, süßduftende Blumen Seinen zahlreichen Besuchern zu überreichen. Mr. Thornton Chase faßt seinen Eindruck von dem Gefängnisleben in 'Akká so zusammen (in Galilee p.24):
Fünf Tage verbrachten wir innerhalb dieser Stadtmauern, als Mitgefangene dessen, der in diesem `Größten Gefängnis` wohnt. Es ist ein Gefängnis des Friedens, der Liebe und des Dienstes. Kein Wunsch, kein Verlangen lebt dort, außer nach dem Glück der Menschheit, dem Frieden der Welt, der Anerkennung der Vaterschaft Gottes und der gemeinsamen Rechte der Menschheit als Seine Geschöpfe, Seine Kinder. In der Tat, das wirkliche Gefängnis, die erstickende Luft, die Trennung von all dem, was das gläubige Herz wünscht, die Bindungen an die Dinge der Welt sind außerhalb dieser Steinmauern, während in ihnen die Freiheit und das reine Wehen des Geistes Gottes wohnt. Alles Störende, alle Unruhe, alle Plage und alle Angst um weltliche Dinge sind von hier ausgeschlossen.«
Den meisten Menschen mögen die Härten des Gefängnislebens als schweres Unglück erscheinen, aber für Abdu'l-Bahá boten sie keine Schrecken. Während seiner Gefangenschaft schrieb Er:
»Grämt euch nicht über meine Gefangenschaft und über mein Unglück. Denn dieses Gefängnis ist mein schöner Garten, mein Heim und Paradies und mein Thron der Herrschaft unter den Menschen. Mein Elend in meinem Gefängnis ist eine Krone für mich, mit der ich strahle unter den Gerechten.«¹
»Man kann glücklich sein in den Verhältnissen des Wohllebens, der Behaglichkeit, des Erfolges, der Gesundheit, des Vergnügens und der Freude; wenn aber jemand glücklich und zufrieden sein kann in unruhigen und harten Zeiten und in Krankheitstagen, so ist dies der Beweis von Seelenadel.«¹
¹ Tablets of 'Abdu'l-Bahá, Bd.II, p.258,263 |
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