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| Das Märtyrertum des Bab |
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Das Märtyrertum des Báb
Am 9. Juli 1850 (FR 28. Sha'bán 1266 d.H.), in Seinem einunddreißigsten Lebensjahre, fiel der Báb selbst der fanatischen Wut seiner Verfolger zum Opfer. Mit einem ergebenen jungen Anhänger namens Áqá Muhammad 'Alí, der leidenschaftlich darum gebeten hatte, Sein Märtyrertum teilen zu dürfen, wurde Er in Tabríz auf den alten Kasernenhof geführt. Etwa zwei Stunden vor Mittag wurden die beiden mit Stricken unter den Armen derart aufgehängt, daß das Haupt von Muhammad 'Alí an der Brust seines geliebten Meisters ruhte. Eine Abteilung armenischer Soldaten zog auf und erhielt den Befehl zu feuern. Alsbald krachte die Salve, aber als der Rauch sich verzog, fand man den Báb und Seinen Gefährten noch am Leben. Die Kugeln hatten nur die Seile zerrissen, an denen sie aufgehängt waren, so daß sie unverletzt zu Boden fielen. Der Báb begab sich in einen Raum in der Nähe, wo man Ihn im Gespräch mit einem Seiner Freunde fand. Um die Mittagszeit wurden sie abermals aufgehängt. Die Armenier, welche die Wirkung ihrer Salve als Wunder ansahen, weigerten sich, nochmals zu feuern, so daß ein anderes Regiment Soldaten antreten mußte, das dem Befehl zum Feuern Folge leistete. Diesmal hatte die Salve den gewünschten Erfolg. Die Körper der beiden Opfer wurden von Kugeln durchbohrt und schrecklich zugerichtet, ihre Gesichter aber blieben fast unberührt.
Ein junger Mann wurde gefangen durch die gedrängt vollen Straßen geführt. Sein Nacken war in ein riesiges Halseisen gezwängt. An dem Halseisen waren lange Stricke befestigt, mit denen er durch die Menschenmenge beiderseits der Straße gezerrt wurde.
Wenn er beim Gehen wankte, stießen ihn die Wächter roh auf den Weg zurück oder gaben ihm einen brutalen, wohlgezielten Schlag. Gelegentlich sprang einer aus der Menge heraus, brach durch die Reihe der Wächter und schlug den jungen Mann mit der Faust oder einem Stock.
Vergnügte Zurufe aus der Menge begleiteten jeden Angriff. Wenn dem jungen Mann Kot und Steine vom Pöbel ins Gesicht geschleudert wurden, brachen die Wächter und das Volk in Gelächter aus.
„Rette dich selbst, o großer Held!“ rief einer der Verfolger spöttisch. „Zerbrich deine Fesseln! Tu ein Wunder für uns!“ Dann spuckte er höhnisch auf die stille Gestalt.
Der junge Mann wurde schließlich zum Hinrichtungsort geführt. Es war zwölf Uhr mittags. Im Kasernenhof einer sonnendurchglühten Stadt war das Regiment aufgestellt. Die glühende Sommersonne glänzte auf den Läufen der erhobenen Gewehre, die auf die Brust des jungen Mannes zielten. Die Soldaten erwarteten den Schießbefehl, um sein Leben auszulöschen. Die Menge beugte sich erwartungsvoll vor und hoffte noch im letzten Augenblick auf ein Wunder.
Verspätete kamen noch auf den Kasernenhof. Tausende drängten sich auf den benachbarten Dächern und sahen herab auf die Tötungsszene, alle begierig, einen letzten Blick auf diesen seltsamen jungen Mann zu werfen, der in sechs kurzen Jahren ihr Land in solchen Aufruhr versetzt hatte.
Er mochte gut oder böse sein, sie waren sich nicht sicher, was er eigentlich war. Doch schien er zu jung, um schon sterben zu müssen, kaum dreißig. Nun, da das Ende gekommen war, schien dieses Opfer ihres Hasses und ihrer Verfolgung gar nicht gefährlich zu sein. Die Menge war enttäuscht. Sie war gekommen, um ein Drama zu sehen, und er
enttäuschte sie.
Der junge Mann erschien ihnen recht zwiespältig, hilflos und doch zuversichtlich. Auf seinem schönen Antlitz war ein Ausdruck von Frieden, ja sogar von freudiger Erwartung, als er auf die drohenden Läufe der siebenhundertundfünfzig Gewehre blickte.
Die Gewehre wurden angelegt. Das Kommando erschallte: „Feuer!“
Der Reihe nach feuerten die drei Kolonnen von je zweihundertundfünfzig Mann auf das junge Opfer, bis das ganze Regiment seine Salven abgeschossen hatte.
Mehr als zehntausend Augenzeugen sahen dann ein verblüffendes Schauspiel. Mehrere historische Berichte sind darüber erhalten. In einem von ihnen heißt es:
„Der Rauch vom Feuer der siebenhundertundfünfzig Gewehre war so dicht, daß er das Licht der Mittagssonne verdunkelte... Als sich der Rauch verzogen hatte, bot sich den Augen der erstaunten Menge eine unglaubliche Szene... Die Stricke, mit denen der junge Mann aufgehängt war, waren von den Kugeln zerfetzt worden, aber sein Leib war wunderbarerweise bewahrt geblieben.“
M. C. Huart, ein französischer Schriftsteller, ein Christ, schrieb auch einen Bericht über diesen Vorfall: „Um die Erregung der Menge zu dämpfen ... zeigten die Soldaten die von den Kugeln zerfetzten Fesseln, um zu beweisen, daß kein wirkliches Wunder geschehen war.“
Die Soldaten sammelten die Reste der Stricke und zeigten sie der aufgeregten Menge. Der Pöbel nahm eine drohende Haltung an, und die Soldaten suchten ihn zu beschwichtigen.
„Die Gewehrkugeln haben die Stricke zerfetzt“, bedeuteten ihre Gesten. „Das hat ihn befreit. Weiter nichts. Es ist kein Wunder.“
M. C. Huart schreibt weiter über das Geschehen: „Es ist kaum zu glauben, die Kugeln hatten nicht den Verurteilten getroffen, sondern im Gegenteil, sie hatten seine Fesseln gelöst, und er war frei. Es war wirklich ein Wunder.“198
A. L. M. Nicolas, der bekannte französische Gelehrte, hat ebenfalls über dieses Schauspiel berichtet: „Etwas Außerordentliches geschah“, sagte er, „einzigartig in den Annalen der Weltgeschichte... Die Kugeln zerfetzten die Stricke, die ihn hielten, und er fiel unverletzt auf seine Füße.“
Ich las diese Geschichte zuerst in einem Bericht des berühmten britischen Orientalisten Prof. E. G. Browne von der Universität Cambridge (derselbe Prof. Browne, den ich früher einmal erwähnte). Er verglich die Geschichte mit derjenigen vom Kommen Christi und sagte:
„Es drängt mich, einen möglichst genauen Bericht über alle Einzelheiten ... zu geben, denn mir scheint das Ganze eines der interessantesten und wichtigsten Ereignisse zu sein, die sich seit dem Aufkommen des Christentums zugetragen haben... Ich halte es für meine Pflicht, und es ist mir eine Freude, zu tun, was in meiner Macht steht, um die Sache meinen Landsleuten zur Kenntnis zu bringen, damit sie darüber nachdenken können ..., denn man stelle sich vor, wie glücklich wir heute wären, wenn uns jemand z. B. Näheres über Kindheit und Jugend und über das Aussehen Christi erzählte. Darüber ist jetzt nicht mehr viel zu finden ..., aber im Falle dieses jungen Mannes ist es möglich... So wollen wir den Dank der Nachwelt verdienen und für jene Zeit vorsorgen!“
Wenn dieser große Gelehrte und andere nach beachtlichen Studien fanden, daß dieses Ereignis dem „Erscheinen Christi“ ähnlich war und daß es den „Dank der Nachwelt“ verdiene, darüber zu berichten, können Sie mich dann dafür tadeln, daß eine wachsende Erregung sich meiner bemächtigte?... (William Sears, Dieb in der Nacht)
Durch diese ruchlose Tat wurde der Kasernenhof in Tabríz ein zweites Golgatha. Die Feinde des Báb erfreuten sich eines frevelhaften Triumphes und dachten, daß dieser verhaßte Baum des Bábí-Glaubens an der Wurzel getroffen sei und seine völlige Ausrottung nun leicht sein werde. Aber ihr Triumph war von kurzer Dauer. Sie dachten nicht daran, daß der Baum der Wahrheit von keiner irdischen Axt gefällt werden kann. Mußten sie doch erkennen, daß ihr großes Verbrechen nur dazu führte, der Sache noch größere Kraft zu verleihen. Der Märtyrertod des Báb erfüllte Seinen zärtlich gehegten Wunsch und entflammte Seine Anhänger zu wachsendem Eifer. So groß war das Feuer ihrer geistigen Verzückung, daß die schlimmen Stürme der Verfolgung es nur zu helleren Flammen anfachten. Je größer die Anstrengungen, es auszulöschen, desto höher schlugen die Flammen empor. |
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