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| Der Endgültigkeitsanspruch im Islam |
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Der Endgültigkeitsanspruch im Islam
von Dr. Seena Fazel und Dr. Khazeh Fananapazir
Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer, sondern der Gesandte Allahs (rasúlu’llah) und das Siegel der Propheten (khátam an-nabiyyin); und Allah hat volle Kenntnis aller Dinge. (33:40)
Die Bahá’í-Schrift anerkennt den Koran vorbehaltlos als „unbedingt echten Verwahrungsort des Wortes Gottes“, dem man sich „ehrfurchtsvoll“ und seinem Studium „mit einer von aller vorgefassten Meinung befreiten Vorstellung“ nähern sollte. Der Hüter der Bahá’í-Religion (Shoghi Effendi) versichert, „ der Islam, sein Prophet und dessen Buch“ würden in der Bahá’í-Schrift keinesfalls „auf irgendeine Weise, und sei es auch noch so unbedeutend, herabgesetzt.“ Muhammad wird denn auch unter anderen erhabenen Bezeichnungen „Gottgesandter“, das „Siegel der Propheten“ und „Tagesgestirn der Wahrheit“ genannt.
Der Stifter des Islam als nabí
Für den Gesandten Gottes finden sich im Koran zwei verschiedene Begriffe: Prophet (nabi)¹ und Bote/Gesandter (rasúl)². Das Wort „Prophet“ erscheint an 75 Stellen, „Bote“ bzw. „Gesandter“ 331-mal.
¹ Plural: nabíyyún (Nominativ), nabíyyin (Genitiv) oder anbíyá
² Plural: rusul oder mursalín
Die Chronologie der Verwendung von „Prophet“ und „Gesandter“
In der Mekka-Periode wird Muhammad im Koran nicht als Prophet angesprochen, in der Medina-Periode rund dreißigmal.
Die Gründe für die Akzentverschiebung sind nicht klar. In der Vor-Hijra-Periode [d. h. die Zeit vor der Flucht nach Medina] sei die Betonung darauf gelegen, Muhammad als einen Gottesboten zu präsentieren, gesandt zu seinem Volk mit derselben Botschaft, wir sie zuvor andere Gottesboten ihren Völkern gebracht hatten. Im Gegensatz dazu habe die Verwendung des Titels „Prophet“ für Muhammad in der Nach-Hijra-Periode dem Bedürfnis entsprochen, die Abstammung der Araber von Abraham zu unterstreichen und damit Muhammad in die abrahamitische Linie der Propheten zu stellen.
Als Propheten und Gesandte bezeichnete
Noah, Abraham, Ismael, Jakob, Moses, Aaron, David, Salomon, Enoch, Esra, Hiob, Ezechiel, Johannes der Täufer, Jesus und Muhammad sind diejenigen, die der Koran in direkter Weise mit dem Titel „Prophet“ versieht. Indirekte Erwähnungen hinzugenommen, gehören auch Elias, Elisa, Lot, Joseph und Zacharias dazu (s. Koranvers 6:83-89).
Die Liste der „Boten/Gesandten“ umfasst Noah, Lot, Ismael, Moses, Jesus, Húd, Sálih, Jitro und Muhammad.
Zählt man auch die mursalún Gennannten hinzu, so ergänzen Elias und Joseph die Liste.
Die Liste von Propheten und Gesandten erlaubt einige vorläufige Schlüsse. Sie vermitteln den Eindruck des Bestehens eines Unterschieds zwischen nabí (Prophet) und rasúl (Gesandter), der noch dadurch verstärkt wird, dass die Propheten ausschließlich der Linie Abrahams angehören, während die Liste der Boten drei Gesandte enthält, die zu anderen Völkern gesandt wurden (Húd, Sálih, Jitro).
Klar ist auch, dass nicht alle Propheten „Gesandte“ genannt werden – eine starke Stütze für das Argument, dass nicht jeder Prophet auch ein Gesandter ist. Hinzu kommt noch, dass auch die konträre Hypothese, wonach jeder Gesandte auch ein Prophet ist, dadurch gestützt wird, dass Húd, Sálih und Jitro nicht als Propheten tituliert werden. Noch bedeutsamer ist der an einigen Koranstellen enthaltene Hinweis, es habe viel mehr Gesandte gegeben als jene, deren Namen im Koran offenbart wurden.
Das Prophetenamt ist ein Erbgut Abrahams und seiner Nachkommen und scheint auch eng verknüpft zu sein mit einer eigenen Schrift, die jeder Prophet brachte:
Und wir … machten in seiner [d.h. Abrahams] Nachkommenschaft [dhurríyyah] die Prophetie [nubúwwah] und die Schrift heimische. (29:27)
Und wir haben … den Kindern Israels die Schrift, die Urteilskraft [hukm] und die Prophetie gegeben. (45:16)
Darüber hinaus werden den einzelnen Propheten im Koran bestimmte heilige Schriften zugeordnet. Dazu kommt als gemeinsames Merkmal noch, dass sie an Gottes Bund teilhaben:
Und gedenke, da wir mit den Propheten [nabíyyín] den Bund [mítháq] eingingen… (33:7)
Und da Gott mit den Propheten [nabíyyín] den Bund [mítháq] schloss, (sprach er:) „Wahrlich, dies ist das Buch und die Weisheit, die ich euch gebe; alsdann wird zu euch kommen ein Gesandter, bestätigend, was ihr habt. Wahrlich, ihr sollt ihm glauben und ihm helfen.“ (3:75)
Auch mit dem Begriff „Bote/Gesandter“ verbindet sich Verschiedenes Zunächst stellt der Koran fest:
„Und jede Gemeinschaft [umma] hat ihren Gesandten [rasúl]“. (10:47; 16:38; 17:15; 23:44; 30:47)
Ein wichtiges Merkmal ist, dass der rasúl (Gesandte) Träger einer „offenkundigen“ Botschaft ist:
„Der Gesandte hat nur die (offenkundige) Botschaft auszurichten.“ (29:18)
Künftige Gottgesandte
O Children of Adam! There shall come to you Apostles from among yourselves, reshearing signs to you... (7:34, Rodwells Übersetzung)
O Kinder Adams, wenn zu euch Gesandte kommen aus eurer Mitte, die euch Meine Zeichen verkünden - wer dann gottesfürchtig ist und gute Werke tut, keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern. (7:34)
Dieser Vers scheint das Kommen von Gottgesandten in der Zukunft zu verheißen. Muslimische Kommentatoren und die meisten jüngeren westlichen Übersetzer haben allerdings das Verb bzw. den Satzteil "there shall come to you" ("es werden zu euch kommen") als Teil eines Bedingungssatzes aufgefasst und gemeint, das im Modus Energicus konjugierte ya'tíyannakum habe den Zweck, die konditionale Bedeutung herauszustreichen.
Gegen die Auffassung als konditionale Bestimmung lassen sich auf den ersten Blick zwei Einwände aufführen. Der erste ergibt sich bei Betrachtung des arabischen Originalwortlautes, in transliterierter Form: Immá ya'tíyannakum (von Rodwell wiedergegeben als "shall come to you"). Diese Form der aus drei Radikalen bestehenden Wortwurzel A-T-Y ist das Aktiv Imperfekt (mudárí), das eine in der Zukunft liegende Handlung anzeigt und durch das Anfügen des Suffixes anna in den Modus Energicus gebracht wird.
Diese Verbform begegnet auch in Qur'án 2:38, das genauer mit "Und dann kommt von Mir eine rechte Leitung zu euch" ("yet there come to you quidance from Me") wiedergegeben werden müsste. Der zweite Einwand gegen die Wahl der Bedingungsform für die Übersetzung von ya'tíyannakum in den neueren Übertragungen von Q 7:34/35 besteht darin, dass sie zu einer logischen Inkonsistenz führt: Sie deutet an, Gott räume an dieser Stelle die Möglichkeit des Erscheinens künftiger Gottesboten ein, während Er eine solche Möglichkeit an anderer Stelle, z.B. Q 33:40, kategorisch ausschließe.
Andere Einwände gegen die konditionale Auffassung dieses Verses beruhen auf der Ansicht, dass einige Qur'ánstellen als Hinweise auf eine begrenzte Dauer der Sendung des Islam zu verstehen seien:
Jede Gemeinschaft [ummat] hat eine (bestimmte) Frist [ajal]; und wenn ihre Frist kommt, so können sie sie um keine Stunde aufschieben oder beschleunigen. (7:34)
Jedes Zeitalter [ajal] hat sein Buch. (23:43)
Und kein Volk [ummat] kann seinen Termin [ajal] beschleunigen oder aufschieben. (23:43)
Darüber hinaus verurteilt der Qur'án die Geisteshaltung jener, die meinen, nach dem Heimgang eines Gottesboten werde Gott keine anderen Boten mehr senden, und jene, die den Prätendenten auf eine neue Offenbarung mit Spott überschütten:
Früher war ja (schon) Joseph mit klaren Beweisen zu euch gekommen. Aber ihr bliebet immer im Zweifel über das, was er euch gebracht hatte. Und als er dann schließlich gestorben war, sagtet ihr: "Gott wird nach ihm keinen Gesandten [rasúl] (mehr) auftreten lassen." So führt Gott diejenigen irre, die nicht maßhalten und (immer nur) Zweifel hegen. (40:43)
Kein Gesandter [rasúl] kommt zu ihnen, den sie nicht verspotten. (36:30)
Fassen wir zusammen: Es lassen sich hauptsächlich drei Gründe für die deutlich unterschiedliche Anwendung der Begriffe Prophet und Bote/Gesandter im Qur'án ausmachen. Der erste Grund ist, dass in unterschiedlichen Phasen der Sendungszeit Muhammads einmal "Prophet" und ein anderes Mal "Gesandter" Anwendung fanden. Der zweite Grund ist, dass es unterschiedliche Personen sind, auf die diese Bezeichnungen zutreffen. Drittens ist es der Erzählungszusammenhang, der die Verwendung der beiden Begriffe jeweils bestimmt, und unterschiedliche Kontexte lassen unterschiedliche Charakteristika der historischen Sendung der jeweiligen Propheten und Gesandten hervortreten.
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FORTSETZUNG FOLGT (DATUM 21.01.08)
(Aufgrund von Zeitmangel, kann es noch ein Weilchen dauern, bis ich diesen Abschnitt fertig habe. Muss noch 20 Seiten abtippen. Allerdings ist das ganze schon auf Englisch verfügbar: Bahá'í Approach to the Claim of Finality in Islam) |
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