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Einführung in die Bahá'í-Religion
Was genau ist die Bahá'í-Religion?
Die Bahá'í-Religion ist die jüngste monotheistische Weltreligion. Die Bahá'í folgen den Lehren Bahá'u'lláhs, der von 1817-1892 lebte und im Jahre 1863 den Anspruch erhob, ein neuer Gottesbote zu sein. Somit wird Bahá'u'lláh von den ca. 7 Millionen Anhängern rund um den Globus, als der vorläufig letzte in einer Reihe von Gottesboten angesehen, die sich seit Anbeginn der Menschheit erstreckt.
Als Abdu'l-Bahá, der älteste Sohn Bahá'u'lláhs, einmal gefragt wurde: »Was ist ein Bahá'í?« antwortete Er: »Ein Bahá'í sein heißt einfach, die ganze Welt lieben, die ganze Menschheit lieben und sich bemühen, ihr zu dienen, für den allgemeinen Frieden und die allgemeine Brüderlichkeit zu arbeiten.« Bei anderer Gelegenheit kennzeichnete Er einen Bahá'í »als einen Menschen, der in seiner Lebensführung alle menschliche Vollkommenheit aufweist«. In einer Seiner Ansprachen in London sagte Er, ein Mensch könne ein Bahá'í sein, selbst wenn er den Namen Bahá'u'lláh noch nie gehört habe. Er fügte hinzu:
»Der Mensch, der nach den Lehren von Bahá'u'lláh lebt, ist schon ein Bahá'í. Andererseits kann jemand sich fünfzig Jahre lang Bahá'í nennen, wenn er aber das Leben eines Bahá'í nicht lebt, dann ist er kein Bahá'í. Ein häßlicher Mensch mag sich selbst schön nennen, aber er täuscht niemanden, und ein schwarzer mag sich selbst weiß nennen, doch auch er vermag niemanden als sich selbst zu täuschen.« (Abdu'l-Bahá in London, S. 109)
Ein Mensch, der Gottes Botschaften nicht kennt, gleicht einer Pflanze, die im Schatten wächst. Obschon sie die Sonne nicht kennt, ist sie doch völlig von ihr abhängig. Die großen Offenbarer sind geistige Sonnen und Bahá'u'lláh ist die Sonne dieses »Tages«, an dem wir leben. Die Sonnen der früheren Tage haben die Welt erwärmt und belebt, und hätten diese Sonnen nicht geschienen, so würde die Erde jetzt kalt und tot sein; aber nur der Sonnenschein von heute ist imstande, die Früchte zum Reifen zu bringen, welche die Sonnen der früheren Tage ins Leben riefen.
Was glauben die Bahá'í?
Zunächst glauben die Bahá'í, dass es nur einen einzigen Gott gibt. Er wird nur in verschiedenen Sprachen verschieden genannt (z.B. Gott, Alláh, Jahve, Dios etc). Alle Religionen kommen von diesem einen Gott und enthalten im Kern, die selbe Wahrheit. Daher sind die Propheten, wie z.B. Moses, Buddha, Christus, Muhammad und Bahá'u'lláh, Boten des einen Gottes für die Menschen.
Wisse und sei darin sicher, daß das Wesen aller Propheten Gottes eines und dasselbe ist. Ihre Einheit ist absolut. Gott, der Schöpfer, spricht: Es gibt keinerlei Unterschied zwischen den Trägern Meiner Botschaft. - Bahá'u'lláh
Nach dem Prinzip der "fortschreitenden Gottesoffenbarung" ist Bahá'u'lláh für die Bahá'i jedoch nicht der letzte Gottesbote:
Gott hat Seine Boten herniedergesandt, damit sie auf Moses und Jesus folgten, und Er wird fortfahren, so zu tun bis an das 'Ende, das kein Ende hat'... - Bahá'u'lláh
Ebenso ist die ganze Menschheit als eine Einheit anzusehen. Alle Menschen der Welt gehören im Grunde genommen einer Familie an - der Menschheitsfamilie. Sie sind genauso verschieden wie die unterschiedlichen Pflanzen eines Gartens, und gerade durch diese Verschiedenheit erhält der Garten seinen besonderen Reiz.
Ihr seid die Früchte eines Baumes und die Blätter eines Zweiges. Verkehrt miteinander in inniger Liebe und Eintracht, in Freundschaft und Verbundenheit...So machtvoll ist das Licht der Einheit, daß es die ganze Erde erleuchten kann...Bemüht euch, daß ihr diese überragende, diese höchst erhabene Stufe erreicht, die Stufe, welche der ganzen Menschheit die Gewähr für Schutz, und Sicherheit bieten kann. - Bahá'u'lláh
Die Bahá'í glauben, dass alle Menschen gleichwertig sind, egal welcher Herkunft, welcher Hautfarbe, welchen Alters oder welchen Geschlechts.
Vor Gott sind alle Menschen gleich. Im Reich Seiner Gerechtigkeit und Unparteilichkeit gibt es keinen Unterschied oder Vorzug für irgendeine Seele. Die Teilungen hat nicht Gott gemacht, sie haben vielmehr ihren Ursprung im Menschen selbst. - Abdu'l-Bahá, Sohn Bahá'u'lláhs
Die Bahá'í glauben weiterhin, dass jeder Mensch, egal wer, mit Talenten und Fähigkeiten ausgestattet ist und ein Recht auf Erziehung hat. So kann er seine Fähigkeiten entfalten und für sich selbst und andere einsetzen.
Betrachte den Menschen als ein Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert. Nur die Erziehung kann bewirken, daß es seine Schätze enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag.- Bahá'u'lláh
Die Bahá'í glauben auch, dass der Mensch im Grunde ein geistiges Wesen ist und eine unsterbliche Seele hat. "Du bist mein Licht, und Mein Licht verlöscht nie. Warum fürchtest du dein Verlöschen?", heißt es in den Bahá'í-Schriften. Und weiter: "Die Trübsale dieser Welt gehen vorüber, und was uns bleibt, ist das, was wir aus unserer Seele gemacht haben."
Die zentrale Botschaft Bahá'u'lláhs ist diese: Heute können und müssen die Menschen lernen, weltweit Frieden zu schaffen - indem sie die Einheit der Menschheit anerkennen und sich von Vorurteilen aller Art befreien.
Es rühme sich nicht, wer sein Vaterland liebt, sondern wer die ganze Welt liebt. Die Erde ist nur ein Land, und alle Menschen sind seine Bürger. - Bahá'u'lláh
Was tun sie dafür?
Jeder Mensch ist dazu aufgefordert, seine eigene geistige Wirklichkeit zu erkennen und sich zu bemühen, durch sein Tun der Gemeinschaft zu dienen. Deshalb sollte jeder die Stärken seines Charakters entwickeln.
O Sohn des Menschen! Wenn du Barmherzigkeit übtest, dann würdest du nicht deinen eigenen, sondern den Nutzen der Menschheit im Auge behalten. Wenn du Gerechtigkeit übtest, dann würdest du für andere nur wählen, was du auch für dich selbst wählst. - Bahá'u'lláh
Im Bahá'í-Glauben werden Künste, Wissenschaften und alle Arbeit als Gottesdienst erachtet. Ein Mensch, der etwas, sei es auch nur ein Stück Notizpapier, nach seinem besten Können herstellt und dabei bewußt alle seine Kräfte darauf richtet, es zu vervollkommnen, preist damit Gott. Kurz, alle Bemühungen und Anstrengungen, die ein Mensch macht, sofern sie von ganzem Herzen kommen und er von den höchsten Beweggründen und dem Willen dazu getrieben wird, der Menschheit zu dienen, sind Gottesdienst. Gott dienen heißt der Menschheit dienen und den Nöten der Menschen abhelfen. Dienst ist Gebet. Ein Arzt, der dem Kranken frei von Vorurteilen, freundlich und sorgsam hilft und an die Zusammengehörigkeit der menschlichen Rasse glaubt, preist damit Gott. - Abdu'l-Bahá
Um diesem Ziel näherzukommen, betet ein Bahá'í täglich und liest in den Heiligen Schriften. Was er liest, versucht er, in seinem Leben umzusetzen.
Außerdem sagt Bahá'u'lláh: "Von allem das Meistgeliebte ist Mir die Gerechtigkeit... Durch ihre Hilfe wirst du mit deinen eigenen Augen und nicht mit denen anderer sehen und durch die eigene Erkenntnis und nicht durch die deines Nächsten Wissen erlangen." Darum gibt es bei den Bahá'í auch keine Priester, sondern demokratisch gewählte Räte. Diese bestehen aus jeweils neun Personen und verwalten die Angelegenheiten der Gemeinde in einer Stadt, einem Land bzw. weltweit. Entscheidungen werden durch einen besonderen Prozess der Beratung getroffen. Jeder äußert dabei frei und unabhängig seine Meinung. Durch das Zusammentreffen der verschiedenen Ansichten wird die Lösung eines Problems gefunden.
Der Mensch kann seine wahre Stufe nicht erlangen, es sei denn durch seine Gerechtigkeit. Keine Macht kann bestehen, es sei denn durch Einheit. Keine Wohlfahrt und kein Wohlergehen kann erreicht werden, es sei denn durch Beratung." - Bahá'u'lláh
Bahá'í-Gemeinden auf der ganzen Welt arbeiten auf verschiedenste Weise an der Errichtung des Weltfriedens mit. Sie unterhalten soziale Projekte aller Art oder sind an solchen beteiligt.
Kurz ist dieses Menschenleben und neigt sich bald dem Ende zu. Daher muß man jeden Atemzug dieses Lebens schätzen und erstreben, was zu ewiger Seligkeit führt.- Abdu'l-Bahá
Das Wesen des Glaubens ist, wenig Worte zu machen und eine Fülle von Taten aufzuweisen. - Bahá'u'lláh |
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