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Jugendzeit

Jugendzeit

Mírzá 'Alí Muhammad, der sich später den Titel Báb (d.h. das Tor) beilegte, wurde in Shíráz, im Süden Persiens, am 20. Oktober 1819 geboren¹. Er war ein Siyyid, d.h. ein Nachkomme des Offenbarers Muhammad. Sein Vater, ein bekannter Kaufmann, starb bald nach Seiner Geburt, worauf Er in die Obhut eines Onkels mütterlicherseits, eines Kaufmanns in Shíráz, kam, der Ihn aufzog.
Noch im Kindesalter wurde Er der Obhut eines Lehrers namens Shaykh Abid anvertraut².

Der Báb gehorchte dem Willen und den Weisungen Seines Onkels, wenn Er auch keine Lust zum Lernen hatte. Shaykh Abid, war ein frommer und gelehrter Mann. Er erzählte: "Eines Tages forderte ich den Báb auf, die einleitenden Worte des Qur'án aufzusagen, »Bismi'lláhi'r-Rahmání'r-Rahím. Er zögerte und meinte, ohne daß Ihm gesagt würde, was diese Worte bedeuteten, wolle Er in keiner Weise wagen, sie auszusprechen. Ich gab vor, ihre Bedeutung nicht zu kennen. »Ich weiß, was diese Worte bedeuten«, bemerkte mein Schüler, »mit Ihrer Erlaubnis will ich sie erklären«. Er sprach mit einem derartigen Wissen und so fließend, daß ich sprachlos war vor Staunen. Er erklärte die Bedeutung von 'Allah', von 'Rabmán' und von 'Rahím' in Ausdrücken, die ich noch nirgends gelesen oder gehört hatte. Die Lieblichkeit Seiner Worte klingt noch heute in meinem Gedächtnis nach. Ich sah mich veranlaßt, Ihn Seinem Onkel zurückzubringen und das Pfand, das er meiner Fürsorge anvertraut hatte, in seine Hände zurückzulegen. Ich beschloß ihm zu sagen, wie unwürdig ich mich fühle, ein so außergewöhnliches Kind zu lehren. Ich traf Seinen Onkel allein in seinem Büro an. "Ich habe ihn dir zurückgebracht", sagte ich, "und ich übergebe Ihn deiner wachsamen Obhut. Man darf Ihn nicht wie sonst ein Kind behandeln, denn in Ihm kann ich schon Anzeichen von jener geheimnisvollen Macht erkennen, die allein die Offenbarung von Sáhibu'z-Zamán (Herr aller Zeitalter) aufweisen kann. Deine Aufgabe ist es, Ihn mit der liebevollsten Fürsorge zu umgeben. Behalte Ihn in deinem Hause, denn Er braucht wirklich keinen solchen Lehrer wie mich!" Hájí Mírzá Siyyid 'Alí rügte den Báb streng. 'Hast du meine Anweisungen vergessen ?' sagte er. 'Habe ich dich nicht ermahnt, dem Beispiel deiner Mitschüler zu folgen und dich ruhig zu verhalten und aufmerksam auf jedes Wort zu hören, das dein Lehrer spricht?' Nachdem der Báb ihm versprochen hatte, seine Anordnungen getreulich zu befolgen, hieß er Ihn in seine Schule zurückzugehen. Aber die Seele dieses Kindes ließ sich durch die strengen Ermahnungen Seines Onkels nicht unterdrücken. Nichts vermochte den Fluß Seines angeborenen Wissens zu hemmen. Tag um Tag fuhr Er fort, so außergewöhnliche Beweise einer übermenschlichen Weisheit zu erbringen, daß ich unfähig bin, sie wiederzugeben." Schließlich fühlte Sein Onkel sich doch veranlaßt, Ihn aus Shaykh Abids Schule herauszunehmen und Ihn bei sich in seinem eigenen Beruf zu beschäftigen. (Nabils Bericht (I))

Im Alter von fünfzehn Jahren wandte Er sich den Geschäften zu, zuerst mit Seinem Pflegevater und später mit einem andern Onkel, der in Búshihr am Persischen Golf lebte.

Als Jüngling war Er durch Seine erhabene persönliche Schönheit und durch Sein liebenswürdiges Wesen bekannt, wie auch durch Seine außergewöhnliche Frömmigkeit und die Vornehmheit Seines Charakters. Er war untadelig in der Einhaltung des Gebets, des Fastens und anderer Gebote der muhammadanischen Religion, und Er hielt sich nicht nur an den Buchstaben, sondern lebte auch im Geiste der Lehren des Offenbarers. Er heiratete im Alter von etwa zweiundzwanzig Jahren. Dieser Ehe entstammte ein Sohn, der aber im Kindesalter starb, und zwar im ersten Jahr des öffentlichen Wirkens des Báb.

¹ Erster Tag des Muharram des Jahres 1235 d.H. Der muhammadanische Kalender beginnt im Jahre der Hedschra, d.h. der Flucht Muhammads von Mekka nach Medina im Jahre 622 nach Christus.

² Ein persischer Gelehrter bemerkt: »Die Ansicht vieler Leute im Osten, besonders derjenigen, die an den Báb glaubten, ging dahin, daß der Báb keine Erziehung genoß, daß aber die Mullas, um ihn in den Augen des Volkes zu erniedrigen, erklärten, daß eine Erkenntnis und Weisheit, wie Er sie besaß, der Erziehung zuzuschreiben sei, die Er erhalten habe. Nach gründlichem Forschen nach der Wahrheit hierüber haben wir Beweise gefunden, welche zeigen, daß Er in Seiner Kindheit kurze Zeit in das Haus von Shaykh Muhammad (auch bekannt als 'Ábid) zu gehen pflegte, wo Er persisch lesen und schreiben gelehrt wurde. Darauf bezog sich der Báb in Seinem Buch Baján, als Er schrieb: `O Muhammad, o Mein Lehrer!` Es ist aber doch außerordentlich bemerkenswert, daß dieser Shaykh, der Sein Lehrer war, ein ergebener Schüler seines eigenen Zöglings wurde, und daß auch der Onkel des Báb, namens Hájí Siyyid 'Alí, der wie ein Vater zu ihm war, ein ergebener Gläubiger wurde und als Bábí den Märtyrertod starb. Das Verständnis dieser Geheimnisse wird den Suchern nach Wahrheit gegeben; wir aber wissen, daß die Erziehung, wie sie der Báb erhielt, nur eine ganz einfache war, und daß alle Zeichen von ungewöhnlicher Größe und Erkenntnis Ihm angeboren und von Gott waren.«

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Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Verfasst am: 21.11.2007, 14:23
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