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Anmeldedatum: 16.11.2007 Beiträge: 330
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| Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt |
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VIELE SIND BERUFEN, ABER WENIGE SIND AUSERWÄHLT
Frage: Im Evangelium sagte Christus: "Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt"¹, und im Qur'án heißt es: "Er schenkt Seine Gnade, wem Er will." Welche Weisheit liegt in diesen Worten?
¹ Matthäus 20:16 und 22:14.
Antwort: Wisse, daß das Gefüge und die Vollkommenheit des ganzen Weltalls es erfordern, daß Dasein in zahllosen Formen erscheine. Denn das Erschaffene könnte nicht in nur einer Klasse, einer Stufe, einem Geschlecht, einer Gattung oder in nur einer Art verkörpert werden; der Unterschied der Stufen, die Ungleichheit der Gestalt und die Verschiedenheit von Geschlecht und Gattung sind zweifellos notwendig. Das heißt, die Stufen mineralischer, pflanzlicher und tierischer Wesenheiten und die des Menschen sind unvermeidlich; denn die Welt fände mit dem Menschen allein nicht ihre Ordnung und Gesetzmäßigkeit, ihre Ausschmückung und Vollendung. Ebenso könnte die Welt, bestünde sie allein aus Tieren oder Pflanzen oder nur aus Mineralien, nicht ihr wunderbares Aussehen, ihre festgefügte Ordnung und ihren lieblichen Schmuck zeigen. Daß Dasein in höchster Vollendung erstrahlt, ist zweifellos die Folge der Verschiedenheiten von Graden, Stufen, Gattungen und Arten.
Wenn zum Beispiel dieser Baum nur aus Früchten bestände, könnte die Vollkommenheit der pflanzlichen Stufe nicht erreicht werden; denn Blätter, Blüten und Früchte sind zusammen nötig, damit der Baum mit größter Schönheit und Vollendung geschmückt werde.
Betrachte in gleicher Weise den menschlichen Körper: Er muß aus verschiedenen Organen, Teilen und Gliedern zusammengesetzt sein. Menschliche Schönheit und Vollkommenheit erfordern das Vorhandensein von Ohren, Augen, Gehirn, ja sogar von Nägeln und Haaren; bestände der Mensch nur aus Gehirn, Augen oder Ohren, so wäre dies reine Unvollkommenheit. Auch das Fehlen von Haaren, Wimpern, Nägeln oder Zähnen wäre ein einwandfreier Mangel, obwohl sie im Vergleich mit dem Auge ohne Gefühl sind und darin dem Mineral und der Pflanze ähneln; aber ihr Fehlen im menschlichen Körper ist äußerst fehlerhaft und unangenehm.
#131
Da es verschiedenartige und voneinander abweichende Stufen des Daseins gibt, stehen immer einige Arten über den anderen. Es geschieht daher nach dem Willen und Wunsch Gottes, daß manche Geschöpfe, wie die Menschen, für die höchste Stufe auserwählt sind, andere, wie zum Beispiel die Pflanzen, der mittleren Stufe zugeteilt sind und einige, wie die Mineralien, auf der untersten Stufe belassen werden.
Es kommt aus der Gnade Gottes, daß der Mensch für den höchsten Rang auserwählt ist; auch die Unterschiede, die mit Beziehung auf geistigen Fortschritt und himmlische Vollkommenheiten zwischen den Menschen bestehen, beruhen auf der Auswahl durch den Allbarmherzigen. Denn der Glaube, der ewiges Leben bedeutet, ist das Zeichen der Gnade und nicht die Folge der Gerechtigkeit. Die Flamme des Feuers der Liebe in dieser Welt von Erde und Wasser brennt durch die Kraft der Anziehung und nicht durch Bemühung und Anstrengung. Wissen, Wissenschaft und andere Vollkommenheiten können dagegen durch Bemühen und Ausdauer erworben werden; aber nur das Licht der göttlichen Schönheit kann durch die Macht der Anziehung die seelisch-geistige Kraft in Bewegung setzen und hinreißen. Darum wurde gesagt: "Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt."
Das materielle Dasein aber kann nicht wegen seiner eigenen Stufe oder Stellung mißachtet, verurteilt und für sie verantwortlich gemacht werden. Beispielsweise sind Mineral, Pflanze und Tier auf der ihnen jeweils zustehenden Stufe annehmbar; wenn sie aber innerhalb ihrer eigenen Stufe unfertig bleiben, sind sie minderwertig, während die Stufe an sich vollendet ist.
Die Verschiedenheit unter den Menschen ist von zweierlei Art: Die eine ist der Unterschied der Stufe, und dieser Unterschied ist unverschuldet. Die andere ist ein Unterschied des Glaubens und der Gewißheit, deren Verlust verschuldet ist; denn dann wird der Mensch von Wünschen und Leidenschaften beherrscht, die ihn jener hohen Gaben berauben und ihn daran hindern, die Macht der Anziehung der Liebe Gottes zu fühlen, obwohl dieser Mensch auf der ihm zugeteilten Stufe annehmbar und gut sein mag, wird er, da er der Vollkommenheiten jenes Grades beraubt ist, zur Quelle von Unvollkommenheiten, wofür er zur Verantwortung gezogen wird.¹
¹ Siehe Kapitel 57 "Die Gründe für die Charakterverschiedenheiten der Menschen".
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