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Zwei Jahre in der Wildnis
Etwa ein Jahr nach dem Eintreffen in Baghdád begab sich Bahá'u'lláh allein in die Wildnis von Sulaymáníyyih, wobei Er nichts mit sich nahm als einige Kleider zum Wechseln. Über diese Periode schreibt Er in Seinem Buch Iqán wie folgt:
»Als Wir in den ersten Tagen Unserer Ankunft in diesem Lande die Zeichen kommender Dinge erkannten, beschlossen Wir, Uns zurückzuziehen, ehe sie geschehen würden. Wir begaben Uns in die Wildnis und führten dort abgeschlossen und allein zwei Jahre lang ein Leben in völliger Einsamkeit. Aus Unseren Augen rannen Tränen der Qual, und in Unserem blutenden Herzen wogte ein Meer von Marter und Pein. Wie oft hatten Wir abends nichts zu essen, und wie viele Tage fand Unser Körper keine Ruhe. Bei Ihm, der Mein Dasein in den Händen hält! Ungeachtet dieser Regenschauer von Leiden und dauernder Trübsal ward Unsere Seele von wonnevoller Freude erfaßt, und Unser ganzes Wesen strahlte unaussprechliche Fröhlichkeit aus. Denn in Unserer Einsamkeit waren Uns Schaden oder Nutzen, Heil oder Leid irgendeiner Seele nicht bewußt. Einsam verkehrten Wir mit Unserem Geist und vergaßen die Welt und alles, was darinnen ist. Wir wußten jedoch nicht, daß das Fangseil der göttlichen Vorsehung die sterblichen Vorstellungen weit übertrifft, und daß der Pfeil Seines Ratschlusses über die kühnsten menschlichen Pläne hinausreicht. Kein Haupt kann Seinen Schlingen entrinnen und keine Seele kann Erlösung finden außer durch Unterwerfung unter Seinen Willen. Bei der Gerechtigkeit Gottes! In Unserer Zurückgezogenheit dachten Wir an keine Rückkehr, und Unsere Trennung hoffte auf keine Wiedervereinigung. Der einzige Zweck Unserer Abgeschiedenheit war, nicht zum Gegenstand der Zwietracht unter den Gläubigen zu werden, noch zur Quelle der Empörung für die Gefährten oder zum Mittel der Kränkung irgendeiner Seele oder zur Ursache des Kummers irgendeines Herzens. Über dies hinaus hegten Wir keine Absicht, und außer diesem hatten Wir kein Ziel im Auge. Jedoch ein jeder Mensch machte Pläne nach seinem Wunsch und folgte seinen eigenen eitlen Einbildungen bis zu der Stunde, da aus der mystischen Quelle der Ruf an Uns erging, der Uns die Rückkehr befahl, dorthin, woher Wir gekommen waren. Wir ergaben Unseren Willen dem Seinigen und unterwarfen Uns Seinem Geheiß.«
»Welche Feder kann die Dinge schildern, die Wir bei Unserer Rückkehr sahen! Zwei Jahre waren vergangen, in denen Unsere Feinde unaufhörlich und hartnäckig darauf sannen, Uns zu vernichten, wie alle bezeugen.«¹
¹ Bahá'u'lláh, Kitáb-i-Iqán, S.164 f |
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